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Solange eine Wunde durch Erreger besiedelt ist, kann sich eine Infektion entwickeln. Kolonisation bedeutet aber auch, dass ein Stillstand oder eine Verzögerung des Wundheilungsprozess eingetreten ist. Bei weiterer Vermehrung der Erreger, beeinflusst durch verschieden Faktoren, wie z.B. schlechter Immunabwehr kann sich eine Wundinfektion entwickeln. Im ungünstigsten Fall eine Allgemeininfektion (Sepsis). Nochmals im Detail: Kontamination
Keime sind vorhanden. Es kommt zu keiner relevanten Beeinträchtigung der Wundheilung. Jede chronische Wunde ist mit einem gewissen Spektrum an Keimen kontaminiert. Kolonisation
Keime sind vorhanden und vermehren sich, es erfolgt jedoch keine (klinisch bedeutsame) immunologische Wirtsreaktion. Die Wundheilung ist verzögert oder zum Stillstand gekommen. Infektion
Keime vermehren sich, es erfolgt massive immunologische Wirtsreaktion (Wundinfektion). Es zeigen sich die klassischen Zeichen einer lokalen Wundinfektion. Eine Wunde mit Kolonisation oder Infektion muss saniert werden, um eine Weiterverbreitung der Erreger zu verhindern. Man verwendet dafür Antiseptika, aber unter bestimmten Spielregeln.
Zeitliche Anwendung von Antiseptika
Antiseptika können zur Kurzzeit- und Langzeitantiseptik eingesetzt werden
Kurzzeit-Antiseptik Anforderung:
Sichere mikrobizide Wirkung Rascher Wirkungseintritt (3-5 Minuten) Objektive und subjektive Verträglichkeit
Voraussetzungen:
Saubere Wunde (frei von Belägen und Schorfen) Akzeptable arterielle Perfusion Dauer so lange wie Infektionszeichen vorhanden sind (2-6 Tage)
Langzeit-Antiseptik Anforderung:
Voraussetzungen:
Beseitigung lokaler und systemischer Wundheilungshemmer Behandlung von Mangelzuständen (Vit C, Zink, ...), Durchblutungsstörungen. Optimierung des therapeutischen Settings der Grundkrankheit (Einstellung des Diab.mell.) Nekrosektomie
Welche Anforderungen werden an ein geeignetes Antiseptikum gestellt Sicherer mikrobizider Effekt (>5 log) Rascher Wirkungseintritt (1-5 Minuten) Effektivität unter Proteinbelastung (>3 log) Geringe Resorption Kein allergisierendes Potential Keine Resistenzenbildung Keine Hemmung des Heilungsprozesses Geringe oder keine Zytotoxizität
Im Rahmen der „Konsensusempfehlung zur Auswahl von Wirkstoffen für die Wundantiseptik“ wurden unter Berücksichtigung klinischer Erfahrungen die derzeit hauptsächlich zur antiseptischen Prophylaxe und Therapie von Wundinfektionen eingesetzten Wirkstoffe einer vergleichenden Bewertung unterzogen. Povidin-Jod, Octenidindihydrochlorid und Polihexanid sind für den Einsatz sowohl an akuten infizierten als auch kolonisierten Wunden geeignet, vorausgesetzt man wendet sie fachgerecht. Allgemein gilt aber, dass bei ausgeprägten Infektionen die Einwirkzeit deutlich zu erhöhen ist (siehe Konsensuspapier)
Eigenschaften und Einschränkungen geeigneter Antiseptika
PVP-Iod Eigenschaften Wirkungseintritt 30 Sekunden Praktisch keine Proteinbelastung Keine Wirkungslücken Gute Gewebeverträglichkeit
Einschränkungen Manifeste Hyperthyreose Dematitis herpetiformis During Überempfindlichkeit gegenüber Iod Vor und nach Radioiodtherapie
Octenidindihydrochlorid Eigenschaften Wirkungseintritt 30 Sekunden –1 Minute Praktisch keine Proteinbelastung Lücke bei Protozoen, Bakteriensporen Eingeschränkte Gewebeverträglichkeit
Einschränkungen
Polihexanid Eigenschaften: Einschränkungen:
Zur Wundantiseptik geeignete und ungeeignete Mittel sind als Orientierungshilfe hier aufgeführt. Weitere Informationen im Konsensuspapier
Geeignete Wirkstoffe zur Wundantiseptik: Obsolete oder entbehrliche Mittel: Link: Konsensusempfehlung zur Auswahl von Wirkstoffen für die Wundantiseptik (2004) Praxisorientierte Empfehlung zur Behandlung kritisch kolonisierter und lokal infizierter Wunden mit Polihexanid Vorschau auf die Konsensusempfehlung 2009 Literatur: - A.Kramer, G.Daeschlein, G.Kammerlander, A.Andriessen, C.Aspöck, R.Bergemann, T.Eberlein, H.Gerngross, G.Görtz, P.Heeg, M.Jünger, S.Koch, B.König, R.Laun, R.U.Peter, B.Roth, Ch.Ruef, W.Sellmer, G.Wewalka, W.Eisenbeiß, (2004), Konsensusempfehlung zur Auswahl von Wirkstoffen für die Wundantiseptik, ZfW 03/04
- O.Assadian, (2004), Internationale Empfehlung zur Wundantiseptik, 15.4.08, www.oegkv.org/assadian-KHH_Fortbildungstage_Wien_Wundantiseptik_01.pdf
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