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last update: 22.06.2010

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Antiseptika

 

Solange eine Wunde durch Erreger besiedelt ist, kann sich eine Infektion entwickeln. Kolonisation bedeutet aber auch, dass ein Stillstand oder eine Verzögerung des Wundheilungsprozess eingetreten ist. Bei weiterer Vermehrung der Erreger, beeinflusst durch verschieden Faktoren, wie z.B. schlechter Immunabwehr kann sich eine Wundinfektion entwickeln. Im ungünstigsten Fall eine Allgemeininfektion (Sepsis).

 

Nochmals im Detail:


Kontamination

Keime sind vorhanden. Es kommt zu keiner relevanten Beeinträchtigung der Wundheilung. Jede chronische Wunde ist mit einem gewissen Spektrum an Keimen kontaminiert.


Kolonisation

Keime sind vorhanden und vermehren sich, es erfolgt jedoch keine (klinisch bedeutsame) immunologische Wirtsreaktion. Die Wundheilung ist verzögert oder zum Stillstand gekommen.


Infektion

Keime vermehren sich, es erfolgt massive immunologische Wirtsreaktion (Wundinfektion). Es zeigen sich die klassischen Zeichen einer lokalen Wundinfektion.


Eine Wunde mit Kolonisation oder Infektion muss saniert werden, um eine Weiterverbreitung der Erreger zu verhindern. Man verwendet dafür Antiseptika, aber unter bestimmten Spielregeln.

 


Zeitliche Anwendung von Antiseptika


Antiseptika können zur Kurzzeit- und Langzeitantiseptik eingesetzt werden

 

Kurzzeit-Antiseptik


Anforderung:

  • Sichere mikrobizide Wirkung

  • Rascher Wirkungseintritt (3-5 Minuten)

  • Objektive und subjektive Verträglichkeit


Voraussetzungen:

  • Saubere Wunde (frei von Belägen und Schorfen)

  • Akzeptable arterielle Perfusion

  • Dauer so lange wie Infektionszeichen vorhanden sind (2-6 Tage)

 

 

Langzeit-Antiseptik


Anforderung:

  • Unterbrechung des Kreislaufes Kolonisation / Reinfektion


Voraussetzungen:

  • Beseitigung lokaler und systemischer Wundheilungshemmer

  • Behandlung von Mangelzuständen (Vit C, Zink, ...), Durchblutungsstörungen.

  • Optimierung des therapeutischen Settings der Grundkrankheit (Einstellung des Diab.mell.)

  • Nekrosektomie

 

 

 

Welche Anforderungen werden an ein geeignetes Antiseptikum gestellt

  • Sicherer mikrobizider Effekt (>5 log)

  • Rascher Wirkungseintritt (1-5 Minuten)

  • Effektivität unter Proteinbelastung (>3 log)

  • Geringe Resorption

  • Kein allergisierendes Potential

  • Keine Resistenzenbildung

  • Keine Hemmung des Heilungsprozesses

  • Geringe oder keine Zytotoxizität

 

Im Rahmen der „Konsensusempfehlung zur Auswahl von Wirkstoffen für die Wundantiseptik“ wurden unter Berücksichtigung klinischer Erfahrungen die derzeit hauptsächlich zur antiseptischen Prophylaxe und Therapie von Wundinfektionen eingesetzten Wirkstoffe einer vergleichenden Bewertung unterzogen.


Povidin-Jod, Octenidindihydrochlorid und Polihexanid sind für den Einsatz sowohl an akuten infizierten als auch kolonisierten Wunden geeignet, vorausgesetzt man wendet sie fachgerecht. Allgemein gilt aber, dass bei ausgeprägten Infektionen die Einwirkzeit deutlich zu erhöhen ist (siehe Konsensuspapier)


Eigenschaften und Einschränkungen geeigneter Antiseptika

 

PVP-Iod
Eigenschaften

  • Wirkungseintritt 30 Sekunden

  • Praktisch keine Proteinbelastung

  • Keine Wirkungslücken

  • Gute Gewebeverträglichkeit

 

Einschränkungen

  • Manifeste Hyperthyreose

  • Dematitis herpetiformis During

  • Überempfindlichkeit gegenüber Iod

  • Vor und nach Radioiodtherapie

 

 

Octenidindihydrochlorid
Eigenschaften

  • Wirkungseintritt 30 Sekunden –1 Minute

  • Praktisch keine Proteinbelastung

  • Lücke bei Protozoen, Bakteriensporen

  • Eingeschränkte Gewebeverträglichkeit


Einschränkungen

  • KI Anwendung in Bauchhöhle, Harnblase und Trommelfell

  • Unverträglichkeit gegen Bestandteil

 

 

Polihexanid

Eigenschaften:

  • Exzellente Gewebeverträglichkeit

  • Anwendung unter semiokklusiven und okklusiven Abdeckungen möglich


Einschränkungen:

  • Langsamer Wirkungseintritt (10 – 15 Min)

  • Nicht viruzid und sporozid

  • Korpeltoxizität

  • KI in ersten 4 SSM


Zur Wundantiseptik geeignete und ungeeignete Mittel sind als Orientierungshilfe hier aufgeführt. Weitere Informationen im Konsensuspapier

 

Geeignete Wirkstoffe zur Wundantiseptik:

  • Povidon-Jod

  • Octenidindihydrochlorid

  • Polihexanid

  • Taurolidin

  • silberhaltige Wundauflagen

  • Fliegenlarven (Lucilia serricata)

 

Obsolete oder entbehrliche Mittel:

  • Lokalantibiotika

  • Farbstoffe

  • Organische Quecksilberverbindungen

  • Chlorhexidin

  • Wasserstoffperoxid 3%

  • Kaliumpermanganat

  • 8-Chinolinol

  • Chloramin T

  • Ethanol

  • Ethacridinlactat

  • Silbersulfadiazin

  • Quats

  • Nitrofural

 

Link:
Konsensusempfehlung zur Auswahl von Wirkstoffen für die Wundantiseptik (2004)

Praxisorientierte Empfehlung zur Behandlung kritisch kolonisierter und lokal infizierter Wunden mit Polihexanid 

Vorschau auf die Konsensusempfehlung 2009

Literatur:

  • A.Kramer, G.Daeschlein, G.Kammerlander, A.Andriessen, C.Aspöck, R.Bergemann, T.Eberlein, H.Gerngross, G.Görtz, P.Heeg, M.Jünger, S.Koch, B.König, R.Laun, R.U.Peter, B.Roth, Ch.Ruef, W.Sellmer, G.Wewalka, W.Eisenbeiß, (2004), Konsensusempfehlung zur Auswahl von Wirkstoffen für die Wundantiseptik, ZfW 03/04
  • O.Assadian, (2004), Internationale Empfehlung zur Wundantiseptik, 15.4.08, www.oegkv.org/assadian-KHH_Fortbildungstage_Wien_Wundantiseptik_01.pdf



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