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Patrick Bindschedler
„Die Wunde sieht schön aus.“
Dieser Standardsatz, der recht häufig in Wunddokumentationen zu finden ist, zeigt eines der Probleme auf, das bei der schriftlich erfassten Beschreibung von Wunden auftreten kann. Fehlende Objektivität, mangelnde Nachvollziehbarkeit und emotionale Äusserungen erschweren die Beurteilung der Situation anhand der schriftlichen Dokumentation. Es empfiehlt sich deshalb, die Beurteilungskriterien möglichst vollständig in einem stichwortartigen, standardisierten Wunddokumentationsbogen zusammenzufassen, um die freie Formulierung zu reduzieren. Dabei kann eine Eigenkreation, die im Team entworfen wurde, zum Einsatz kommen, oder man greift auf eine der vielen auf dem Markt oder im Internet verfügbaren vorgefertigten Lösungen zurück.
Wichtig ist dabei, dass die zu erhebenden Parameter logisch gegliedert dargestellt werden und die einzelnen Begriffe für alle an der Pflege Beteiligten klar verständlich sind. Eine ausführliche Schulung bei der Einführung macht sich in jedem Fall bezahlt. Ein Vergleich der verschiedenen Beobachtungen wird nur möglich sein, wenn alle die gleiche Sprache sprechen! Sind noch frei formulierte Ergänzungen nötig, sollten subjektive Aussagen wie „Wunde sieht besser aus“ oder „Wunde heilt langsam zu“ vermieden werden.
Gesetzliche Rahmenbedingungen
Neben der gesetzlichen Verpflichtung, eine detaillierte schriftliche Dokumentation des Heilungsverlaufs einer Wunde zu dokumentieren, ist sie eine unabdingbare Voraussetzung für eine kontinuierliche und nachvollziehbare Arbeit des Behandlungsteams, das sich in seiner personellen Zusammensetzung häufig ändert. Die schriftliche Dokumentation von Behandlung und Pflege ist eine gesetzlich verankerte Vorschrift. Dokumentationsbögen gelten dabei als unverzichtbares Arbeitsinstrument. Aus dem Inhalt muss jederzeit nachvollzogen werden können, wer wann was und weshalb ausgeführt hat. Wird dieser Grundsatz als Basis bei der Erstellung eines solchen Instruments verwendet, ergeben sich die Inhalte beinahe von selbst. Die Erfahrung zeigt, dass es sich lohnt, genügend Zeit- und Personalressourcen für ein solches Projekt zu investieren. Ist ein schriftliches Dokumentationssystem fundiert geschult und im Betrieb breit abgestützt, erhöht sich die Qualität der dokumentierten Inhalte.
Das Wundkonzept
Ein weiterer Schritt zu mehr Qualität und Kontinuität, sowohl bei der Behandlung, als auch bei der Dokumentation, ist die Erstellung und Implementierung eines Wundkonzepts im Betrieb.
Ob eine Wundtherapie Erfolg hat, hängt zu einem grossen Teil von den eingesetzten Therapeutika ab. Die Problematik, dass viele unterschiedliche Personen an der Wundpflege beteiligt sind, wurde bereits erläutert. Diese Umstände machen sichtbar, dass es wichtig ist, dass alle Beteiligten auf ein klar festgelegtes Schema zurückgreifen können, aus welchem sie in jeder Phase der Wundheilung schnell ableiten können, welche Therapie nun indiziert ist. Es ist kontraproduktiv, wenn bei Personalwechsel in kurzen Zeitabständen von an der Wundpflege Beteiligten intuitiv entschieden wird, dass die Therapie umgestellt werden soll. Um dem entgegenzuwirken, braucht es ein Wundkonzept.
Produktlösungen Der Markt bietet viele, sich schnell ablösende Produkte. Kein Kongress und keine Ausstellung, an der nicht mindestens ein „grundlegend“ neues Wundtherapeutikum vorgestellt wird. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, sollten in einem Wundkonzept Produktgruppen und nicht direkt Produktnamen vermerkt werden. Dieser Schritt hin zur Flexibilität garantiert die längere Aktualität des Dokuments. Regelmässige Schulungen informieren die an der Wundtherapie Beteiligten, welche zum Einsatz gelangenden Produkte in welcher Kategorie verwendet werden sollen.
Struktur
Das Wundkonzept sollte strukturiert aufgebaut sein, so dass ein Vergleich mit der aktuell behandelten Wunde schnell und unkompliziert möglich ist. Es eignet sich hierzu die Aufteilung nach Wundfarbe, Wundstadien, oder Wundphasen. Auch die Implementierung des Exsudationsgrades bei der Zuteilung ist wichtig. Ist das Wundkonzept fertig erstellt, empfiehlt es sich, eine „Taschenausgabe“ in Kurzform zu drucken, die alle Beteiligten in der Tasche des Arbeitskittels tragen können. Nur wenn das Konzept dort griffbereit ist, wo es unmittelbar gebraucht wird, kommt es auch konsequent zum Einsatz.
Bestehen nicht bereits separat formulierte Pflegestandards kann es hilfreich sein, sich mit ergänzenden Themen wie „Schmerzen beim Verbandwechsel“, dem „praktische Ablauf des Verbandwechsels“, Ernährung bei Wundheilungsstörungen, Dekubituskonzept, Richtlinien für die Dokumentation, Wundanamnese, Austrittsplanung etc. zu befassen und sie im Konzept zu verankern.
Ein Wundkonzept, das nicht durch regelmässige Schulungen ergänzt wird, ist schnell ein wertloses Dokument, das zu Fehlinterpretationen führt oder gar nicht mehr verwendet wird. Der kostensparende Faktor eines Wundkonzepts sollte ebenfalls Erwähnung finden. Im Konzept wird festgelegt, welche Produkte von welchen Firmen zum Einsatz gelangen werden. Eine Beschränkung auf einige wenige Anbieter, dafür mit guten Konditionen, hilft, die Kosten für Wundtherapeutika in den Griff zu bekommen. Als weiterer kostensenkender Faktor kommt hinzu, dass alle im Betrieb wissen, wann sie welches Therapeutikum für wie lange anwenden sollen. Verfrühte Wechsel oder sinnlose Verschwendung von Material kann so auf ein Minimum reduziert werden. |