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last update: 22.06.2010

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Was ist eine Wunde?

Wundheilung

Die Wundheilung ist ein komplexes Geschehen. Sie hat die Wiederherstellung von zerstörtem Gewebe zum Ziel. Die physiologische Wundheilung umfasst mehrere überlappende mitunter parallel ablaufende Phasen. Der Prozess der Wundheilung kann durch verschiedene lokale Störungen und systemische Grundkrankheiten gebremst werden. Der Heilungsprozess bleibt in diesem Fall meist in der Entzündungsphase, seltener in der Granulationsphase stecken. Die Folge ist eine chronische Wunde.

 

Wunde - Ulcus

Als Wunden werden akute Substanzdefekt bezeichnet. Sie können traumatisch durch Verletzungen oder chirurgische Eingriffe in primär gesunder Haut entstehen. Die Heilungstendenz ist gut und sie heilen per primam intentionem innerhalb von 2-3 Wochen ab.

Ulzera (Geschwüre) sind tiefe Defekt bis in die Dermis oder Subkutis. Sie zeichnen sich durch schlechte Heilungstendenz aus. Die Heilung erfolgt per secundam intentionem ab. Die erfolgreiche Abheilung von Ulzera erfordert unbedingt die Beseitigung der Ursachen und allfälliger Störfaktoren. Die häufigsten Ursachen sind venöse und arterielle Durchblutungsstörungen, diabetische Neuropathie und Druck.

 

 

Die wichtigsten Einflüsse und Störfaktoren sind folgend angeführt

Sie sind höchst relevant und am meisten unterschätzt. Um ganzheitliche Wundbehandlung durchführen zu können ist es immens wichtig all diese Einflüsse zu beachten. Oftmals sind unsere Ansprüche viel zu hoch und es kommt zu großen Enttäuschungen beim Patienten und Behandler.

 

Allgemeine Einflüsse auf die Wundheilung

 

 

  • Alter des Patienten

Je älter der Mensch, desto schlechter wird in der Regel der Wundheilungsverlauf sein


  • Ernährungsstatus

eine Wunde lebt von dem was man ihr an Energie zuführt. Alte Menschen ernähren sich meist einseitig. Ausgewogene Ernährung bzw. Nahrungsergänzungsprodukte beschleunigen den Wundheilungsvorgang mitunter dramatisch.

 

  • Immunstatus

schlechter Immunstatus, schlechte Immunabwehr, hohe Neigung zu Wundinfektionen

 

  • Grunderkrankungen

Niereninsuffizienz: „der Körper baut immer nur an einer Baustelle gleichzeitig! z.B.: findet defacto ab einem Kreatininwert von 2,0 keine Wundheilung mehr statt. Herzinsuffizienz: ein geschwächtes Herz mit einer vorliegenden Hypertonie macht es beinahe unmöglich das arterielle und venöse Gefäßsystem in den Beinen zu entlasten.

 

  • Postoperative Komplikationen

 

  • Nahtdehiszenzen

gelten als häufigste Wundkomplikation. Sie chronifizieren auch rasch.

 

  • Auswirkungen akuter Traumen/Schock

 

  • Medikamente

haben auch negative Auswirkungen auf die Wundheilung. Kreuzreaktionen können problematisch sein. Großen Einfluss haben vor allem gerinnungshemmende Medikamente und Cortisone.

 

  • Psychosoziale Situation des Patienten

hat den größten Einfluss auf den Wundheilungsverlauf. Eine Wunde ist immer Symptom einer Ursache. Psychische Verletzungen und Erkrankungen können schlussendlich auch zu einer Schwächung der Immunabwehr, einer internistischen Erkrankung samt Wundsituation führen.

Will der Betroffene überhaupt, dass seine Wunde zuheilt? Was trägt er dazu bei?

 

Lokale Einflüsse auf die Wundheilung

 

  • Zustand der Wunde

In der Regel ist die Einschätzung des Zustands der Wunde immer eine subjektive Sache. Jeder Behandler wird andere Ergebnisse dokumentieren. Wichtig ist, dass die Wunde von so wenigen Personen wie möglich begutachtet wird um die Streuung der Meinungen klein zu halten.

 

  • Qualität des praktizierten Wundmanagements

schlechtes Wundmanagement führt zu höheren Kosten in der Wundbehandlung, aber auch zu Frustration der Betroffenen und Behandler. Gutes Wundmanagement schafft es Transparenz in die Behandlung zu bringen.

 

  • Anwendung von Salben und Antiseptika

Die Anwendung von Salben in den Wunden gilt als obsolet und hat in Summe mehr negative als positive Einflüsse. Ähnlich verhält sich das mit der Anwendung von Antiseptika. Eine unverhältnismäßig intensive Anwendung von Antiseptika hemmt eindeutig die Wundheilung. Antiseptika sind nur für einen gewissen Zeitraum und bei Verdacht einer Infektion einzusetzen.

 

 

 

 

Wundheilungsphasen

 

Der Verlauf der Wundheilung lässt sich in mehrere koordiniert ablaufende und interagierende Vorgänge gliedern:

 

  • Hämostase

  • Entzündungsphase

  • Proliferationsphase: Bildung von Granulationsgewebe und Angiongenese, Reepithelisierung

  • Remodellisierungsphase

 

 

Hämostase

Tritt eine Gefäßwanderletzung auf, wird durch Wechselwirkung zwischen verletzten Endothelzellen (Zellen der Gefäßwand), Thrombozyten (Blutplättchen), plasmatischen Gerinnungsfaktoren und weiterer Faktoren eine komplizierte Gerinnungskette ausgelöst. Diese „Gerinnungskaskade“ führt schließlich zur Verstopfung der Wunde mit einem sogenannten roten Thrombus, der aus Fibrinpolymeren besteht. Daraufhin kann die Wundheilung erfolgen, und der rote Thrombus durch die sogenannte Fibrinolyse aufgelöst werden.

 

 

 

Entzündungsphase

Der Blutverlust wird begrenzt durch den Fibrinthrombus und der Vasokonstriktion (Gefäßverengung). Geschädigte Zellen forcieren die Histamin- und Serotoninabgabe. Vasoaktive (gefäßerweiternde) Substanzen fördern Gefäßpermeabilität (Durchlässigkeit der Gefäßwand). Rötung, Erwärmung und Schmerzen treten auf. Dies sind die Entzündungszeichen. Zur Wundreinigung findet die Einschwemmung von Exsudat statt. Es beginnt die Einwanderung von Granulo-, Lympho-, Monozyten. Die Makrophagen nehmen eine Schlüsselfunktion bei der Reparation der Wunde ein und vermittel den Übergang von der Entzündungsphase in die Proliferationsphase. Sie produzieren zahlreiche Zytokine und Wachstumsfaktoren.

 

 

Proliferationsphase

Es kommt zur Normalisierung der Gefäßpermeabilität (Durchlässigkeit der Gefäßwand) und zu einer Abnahme der Exsudation. Granulationsgewebe (Monozyten, Fibroblasten und Kapillaren) beginnt sich zu bilden und füllt die Wunde auf. Nervenfasern sprossen ein. Fibroblasten produzieren Kollagen, Elastin, Fibronektin und Proteasen. Es kommt zur allmählichen Anordnung der Kollagenfasern und dem Ersatz der vorangegangenen Matrix. Die Wundkontraktion setzt gleichzeitig mit der Remodellierungsphase bereits einige tage nach der Verletzung ein. Sie ist ein unglaublich komplexes Zusammenspiel verschiedenster Mechanismen.

 

Remodellierungsphase

Nun beginnt die reparative Phase - die Epithelisierung wird abgeschlossen. Wenn entsprechender Wundgrund vorhanden ist folgt der Umbau des Granulations- in ein Narbengewebe. Im Laufe von Monaten oder gar Jahren bildet sich hartes, faserreiches Narbengewebe.

 

 

Publikationen aus den Vereinen

 

ICW

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Wundheilungsphasen

 

Ein Fachartikel von Michele Tarquinio 08/06.

 

Es soll eine Einführung in die physiologischen Abläufe der Wundheilung sein. Die Kenntnis der physiologischen Prozesse hat in der Vergangenheit zur Entwicklung innovativer Therapiekonzepte geführt. Diese Grundlagen sollen auch beim Verständnis der Wirkungsmechanismen unterschiedlicher Produkte helfen, die in der Therapie von Patienten mit chronischen Wunden eingesetzt werden. Eine kleine Auflistung der pathologischen Veränderungen der jeweiligen Wundheilungsphase, bietet nur eine kleine Übersicht der klinischen Veränderungen und ihrer möglichen Ursachen. ...

 

Mehr lesen

 

Literatur:

 

  • W.Seiler (2005) Die phasengerechte Wundbehandlung beim Dekubitalulkus, Hartmann medical edition

  • Ch.Bienstein, G.Schröder, M.Braun, K.-D.Neander (2000) Dekubitus – Die Herausforderung für Pflegende, DBfK-Verlag, 2000

  • Auböck J. (2007): Biologie der Wundheilung, In: Manual der Wundheilung, Springer Verlag, 3-6

  • Pflegeleitline – exulcerierende Wunden (2004)

http://www.dgpalliativmedizin.de/pdf/ag/Exulcerierende Wunden.pdf




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