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Peter Kurz
Im Wiener AKH wird eine neue Methode der Schmerztherapie erfolgreich angewandt. Ohne Analgetika, keine unerwünschten Nebenwirkungen, geringe Kosten. In dieser Therapieform liegt großes Potential.
Doch worum geht es bei P-Stim eigentlich: Schmerzen sind Warnsignale des Körpers und liefern wichtige Informationen über akute Verletzungen, Erkrankungen sowie über chronisch verlaufende Prozesse des menschlichen Organismus. Hier hat sich die Akupunktur als Methode zur Schmerzlinderung etabliert.
Abgeleitet von der Ohrakupunktur wurde die auriculäre Punktualstimulation (P-STIM) entwickelt. Diese Methode bedient sich der typischen Akupunkturpunkte, der Wirkungsmechanismus ist aber vollkommen unterschiedlich. Verwendet wird ein miniaturisiertes Gerät, das über mehrere Tage zur Punktualstimulation am Ohr angebracht wird. Das Ohr wird deswegen gewählt, weil sich hier konzentriert stimulierbare Bereiche befinden. Es werden Dauernadeln platziert und über diesen elektrische Stimulationsimpulse abgegeben. Diese Impulse führen im Mittelhirn zur Ausschüttung von Endorphinen, welche letztendlich kontinuierliche Schmerzreduktion bringen. An den peripheren freien Nervenendigungen der Ohrmuschel erfolgt eine kontinuierliche Stimulation bis zu 7 Tage. Die Stimulation bewirkt eine Freisetzung von Endorphinen. Je nach Stimulationsfrequenz sind dies Enkephaline (niederfrequente Stimulation) oder Dinorphine (hochfrequente Stimulation).
P-STIM eröffnet auch die Möglichkeit eine medikamentöse Therapie zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Medikamente ermöglichen zwar Mobilität, sind aber durch unerwünschte und teilweise schwerwiegende Nebenwirkungen gekennzeichnet.
Ein wenig zur Geschichte: In den 60er Jahren führten chinesische Mediziner über 400.000 größere chirurgische Eingriffe unter Akupunkturanalgesie durch. Ab den Siebzigerjahren wurde die Akupunkturanalgesie auch in Europa bekannt. Praktische Ausübung erfuhr die Methode vor allem in Frankreich unter Nguyen Van Nghi und in Deutschland, wo der Anästhesiologe Horst Hergert im Oktober 1973 an der Universität in Giessen ein kombiniertes Verfahren von herkömmlicher Intubationsnarkose und Elektro-Akupunkturanalgesie entwickelte.
Die bisher durchgeführten Studien weisen darauf hin, dass die allgemeine Lebensqualität der PatientInnen durch P-STIM verbessert werden kann und dies somit einen Fortschritt in der täglichen Pflege bedeutet.
Einen besonderen Stellenwert nimmt die Behandlung von chronischen SchmerzpatientInnen ein. Akute und chronische Schmerzen beeinflussen das gesamte Wohlbefinden, die Lebensqualität und vor allem auch die berufliche Situation, enorm. Bei unseren PatientInnen können Pflegediagnosen wie z.B. beeinträchtigte Mobilität, Angst, Schlaflosigkeit, durch effektive Schmerzbehandlung positiv beeinflusst werden. Im Besonderen, wenn chronische Gefäßleiden vorliegen, die sich oft in einem reduzierten Allgemeinzustand befinden, müssen wir sobald als möglich mobilisieren.
Mit Methoden, wie dem P-STIM Konzept, kann man die Lebensqualität verbessern und wahrscheinlich zukünftig die Krankenhausaufenthaltstage reduzieren. Wir Betreuende sind meist unmittelbar mit der Schmerzproblematik unserer PatientInnen konfrontiert und werden um Rat gefragt. Es wird auch uns die Arbeit erleichtern, wenn unserer PatientInnen optimal therapiert sind. Diese Form der Schmerztherapie eröffnet völlig neue Perspektiven und wird hoffentlich bald breitere Anwendung finden.
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Link: http://www.biegler.com/pstim.de.html Literatur: Széles, J.C., Kozon, V. (2004), Eine moderne Methode der Schmerzbehandlung und Pflege © ÖGVP, Wien
Bildnachweis: Biegler, http://www.biegler.com, Zugriff am 24.8.08
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