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last update: 22.06.2010

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Dekubitusgefährdung und Risikofaktoren
Höchste Dekubitusgefährdung besteht bei totaler Immobilität.
Es sind keine Spontanbewegungen mehr möglich, der Patient ist absolut gefährdet. Totale Immobilität tritt z. B. bei Bewusstlosigkeit, Narkose oder vollständiger Lähmung ein. Das Alter des Patienten spielt keine Rolle.

Eine hohe Gefährdung besteht auch bei relativer Immobilität.
Es besteht eine hohe Gefährdung, weil Spontanbewegungen eingeschränkt sind, z.B. bei Sedierung, Frakturen, starken Schmerzen, Multipler Sklerose, Querschnittlähmung, Halbseitenlähmung oder Sensibilitätsstörungen.

Es ist zu berücksichtigen, dass der Risikofaktor Immobilität von der allgemeinen pflegerischen Versorgung beeinflusst wird und somit zwangsläufig tageszeitlichen Schwankungen unterliegt. Während der immobile Patient tagsüber immer wieder durch Maßnahmen der Grundpflege und Nahrungsaufnahme bewegt wird, entsteht nachts üblicherweise ein kritisch langer Zeitraum.

Diese Problematik betrifft insbesondere die altersbedingte Abnahme der Mobilität, die auch eine entscheidende Reduzierung der nächtlichen, spontanen Körperbewegungen (Motilität) zur Folge hat. Bei zusätzlichen Erkrankungen, wie z. B. Fieber (Pneumonie) oder starken Schmerzen, kann die Anzahl der nächtlichen Körperbewegungen praktisch auf Null sinken, sodass bei fehlender Prophylaxe akut ein Dekubitus droht.


Primäre Risikofaktoren, die Motilität vermindern und zur totalen/relativen Immobilität führen

  • neurologische Krankheiten mit Lähmungen (alle): zerebrovaskulärer Insult, Hemiplegie, Hemiparese, Paraplegie, Tetraplegie, komatöse Zustände jeder Genese
  • chirurgische Eingriffe: Anästhesie (Prämedikation, Narkose, Aufwachphase), lange Operationszeiten
  • psychiatrische Krankheiten und Psychopharmaka: akute Psychosen wie Katatonie und akute Depressionen, sedierende Medikamente wie Neuroleptika, Benzodiazepine und ähnliche
  • konsumierende Erkrankungen und starke Schmerzzustände


Sekundäre Risikofaktoren, die insbesondere die Gewebetoleranz herabsetzen

Faktoren, die den intravaskulären Druck vermindern
  • arterielle Hypotension: Schock (hypovolämisch, septisch, kardiogen), Antihypertensivaüberdosierung
  • Dehydration: Diuretika, Diarrhö, Sommerhitze

Faktoren, die den Sauerstofftransport zur Zelle vermindern
  • Anämie: Hämoglobin < 9 g/dl
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit
  • diabetische Mikroangiopathie
  • Hypotonie, Bradycardie

Faktoren, die den Sauerstoffverbrauch in der Zelle erhöhen
  • Fieber: > 38 °C
  • Hypermetabolismus
  • Infektionen, Zytokinämie

Faktoren, die zu Nährstoffmangel in der Zelle führen
  • Malnutrition: Mangel an Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen
  • Kachexie: Immobilität durch Muskelschwäche und Katabolismus
  • Lymphopenie bei Malnutrition: Immunschwäche, Störung der Wundheilung

Faktoren, die den Widerstand der Haut schwächen
  • Altershaut: dünn, atrophisch, mit weniger Abwehrzellen
  • Hautkrankheiten: Ekzeme, Soorbefall
  • trockene, rissige Haut: begünstigt Hautinfektionen mit Bakterien und Pilzen
  • druckgeschädigte, gerötete Haut: als Zeichen der schädlichen Shuntzirkulation
  • mazerierte, aufgeweichte Haut: bei Inkontinenz durch Zersetzungsprodukte von Urin und Stuhl
  • Hitze, entzündliche Rötung: Umgehung der nutritiven Mikrozirkulation
  • steroidinduzierte Hautatrophie: dünne, leicht verletzliche Haut

(Quelle: Seiler, 2002)


Einschätzung der Dekubitusgefährdung

Für die Einschätzung der Dekubitusgefährdung ist die Verwendung einer Risikoskalen der erste Schritt. Als Hilfe hierzu stehen mehrere Bewertungsskalen wie die Norton-Skala, die Waterlow-Skala oder die Braden-Skala zur Verfügung. Allen Skalen ist gemeinsam, dass sie einige grundsätzliche Bewertungskriterien zum geistigen und körperlichen Zustand sowie zur Aktivität und Beweglichkeit des Patienten in ähnlicher Weise berücksichtigen. Wichtig ist, dass die Einschätzung der Dekubitusgefährdung und in Folge eine optimale Prophylaxe nicht erst nach Auftreten der ersten Rötungen beginnen.



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