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Christian Balon
Chronische Wunden müssen bei jedem Verbandswechsel gereinigt werden, wobei hier nur die Spülung der Wunde mit einer neutralen Spüllösung verstanden wird und nicht die Anwendung von Schleimhautdesinfektionsmitteln. Die Wundspülung dient zum Ausspülen von losen Nekrosepartikeln, Exsudat und Belägen. Es ermöglicht die richtige Beurteilung der Wunde.
Die Spülung sollte unter strengen aseptischen Bedingungen mittels „Non-Touch-Technik“ vorgenommen werden. Die Spülflüssigkeit kann direkt auf die Wunde oder einen sterilen Tupfer aufgebracht werden, welcher mit einer sterilen Pinzette gefasst wird. Mit den feuchten Tupfern wird die Wunde solange mechanisch gereinigt, bis alle nicht festhaftenden Partikel von der Wundoberfläche entfernt sind. Bei dieser mechanischen Reinigung soll nur sanfter Druck ausgeübt werden, um die Wundoberfläche nicht zu verletzen.
Als Standard wird Ringerlösung oder physiologische Kochsalzlösung empfohlen.
Wichtig ist, dass für den täglichen Gebrauch nur isotone Lösungen verwendet werden, da hier Zytotoxizität für das gesunde Gewebe vermieden werden muss. Hypertone Lösungen werden nur in Ausnahmefällen (trockene, schwarze Nekrosen) verwendet werden, da sie zytotoxisch auf das gesunde Gewebe wirken. Reinigung bedeutet nicht Desinfektion.
Es werden verschiedene Arten von Wundspüllösungen angewandt. Einige haben keine Daseinsberechtigung in der Behandlung chronischer Wunden
Ringerlösung
Die positive Wirkung der Ringerlösung durch ihre Elektrolytzusammensetzung (Natrium 154 mval, Chlor 163 mval, Kalium 4 mval, Calcium 2,7 mval, ph 7.0) auf die Wundheilung ist ungefähr seit 1970 bekannt. Ringerlösung ist isoton. Sie empfiehlt sich zum dauernden Feuchthalten der Wunde sowie zur ständigen Wundreinigung beim Verbandswechsel. Ringerlösung dürfte eine Art Nährlösungs-Ersatz von außen für die schlecht durchblutete Wunde darstellen. Wird eine Wunde mit großen Flüssigkeitsmengen gespült, kommt es zum Ausschwemmen von Elektrolyten aus der Wunde. Verwendet man hier zur Spülung Ringerlösung, werden die ausgeschwemmten Elektrolyte gleichzeitig wieder substituiert.
Physiologische Kochsalzlösung 0,9 %
Die physiologische Kochsalzlösung ist ebenfalls eine isotonische Lösung (Natrium 154 mval, Chlor 154 mval, ph 5,7), enthält neben Natrium und Chlor aber sonst keine zusätzlichen Elektrolyte. Bei der Verwendung von großen Mengen besteht die Gefahr der Austrocknung für die Wunde.
Hypertone Kochsalzlösungen 3% bis 10%
Hypertone Kochsalzlösungen zeichnen sich durch einen höheren Gehalt an Natrium aus. Sie wirken auf gesundes Granulations- und Epithelgewebe zytotoxisch und können dadurch bei übermäßiger Anwendung zu Wundheilungsstörungen führen. Einsatzgebiete sind alleinig nur sehr trockene Nekrosen und Beläge, wobei aber das gesunde Gewebe nicht mitgereinigt werden darf bzw. geschützt werden muss.
Wasserstoffsuperoxid
Wasserstoffsuperoxid, auch Wasserstoffperoxid genannt, hat sich vor langer Zeit in der Wundbehandlung eingebürgert, verliert aber durch die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen langsam seinen fraglichen Stellenwert in der Wundreinigung. Wasserstoffsuperoxid wirkt zytotoxische auf gesundes Gewebe, da es dieses nicht von Nekrosen und Belägen unterscheiden kann. Sein Einsatz sollte gründlich überlegt werden, da es zu massiven Wundheilungsstörungen kommen kann. Besonders bei tiefen Wunden und bei Fisteln kann Wassertoffsuperoxid nicht mehr vollständig aus dem Wundgebiet entfernt werden und schädigt so das Wachstum der Granulation und der Epithelzellen. Die oft beschriebene Neutralisation mit Kochsalzlösung ist chemisch nicht möglich.
Chemische Interaktionen mit verschiedenen synthetischen Verbänden wie etwa Hydrokolloiden sind möglich. Seltene Komplikationen sind Luftembolien, da Wasserstoffsuperoxid unter Schaumbildung in der Wunde Sauerstoff abgibt, welcher besonders bei tiefen Wunden und bei großen Spülmengen ins Gefäßsystem diffundieren kann.
Leitungswasser
Prinzipiell ist die Verwendung von Leitungswasser zur Wundreinigung nicht zu empfehlen, obwohl es im englischen und skandinavischen Sprachraum sehr populär ist. Nicht alle Patientengruppen eignen sich für die Verwendung von Leitungswasser, besonders Intensivpatienten, immunschwache Patienten und schon bestehende Wundinfektionen sollten von der Verwendung ausgeschlossen werden. Das Leitungswasser muss ständig mikrobiologisch untersucht und dokumentiert werden. Die Wasserhähne und Auffanggefäße dürfen nicht kontaminiert sein. Besonders selten benutzte Nebenwasserleitungen sind häufig mikrobiologisch nicht einwandfrei. Das Wasser muss vor dem Gebrauch einige Minuten fließen, damit die Leitungen sauber gespült sind.
Weitere in der Behandlung chronischer Wunden angewandte Lösungen: siehe Antiseptika Literatur:
M.Benbow (2005) evidence-based woundmanagement, Whurr Publishers Ltd., 69-71
O.Matzinger, C. Balon (1995) Dekubitusproblematik auf Allgemein- und Intensivstationen, Verlag Wilhelm Maudrich
K. Sedlarik (1993) Wundheilung; 2. Auflage Gustav Fischer Verlag
J. Auböck (1994) Synthetische Verbände in der Behandlung des Ulcus cruris, in Phlebologie 23, 78-84 |